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Unvermittelt
verwandelte sich die Schar seiner Gläubigen in die Meute
seiner Gläubiger, schrieen
Zeter und Mordio
und suchten Haut und Hab zu retten.
Die charakterlosen Gesellen wurden schließlich
verhaftet und ins Verlies geworfen.
Dabei hatten die beiden Herren doch eigentlich nur dem
Geiste der Zeit Rechnung getragen und hatten kurzerhand
ein fast gänzlich virtuelles Unternehmen etabliert.
Denn
gerade mit nicht existenten Maschinen betrieb unser
Firmenregent Manfred sein überaus lukratives Geschäft.
Er verkaufte kurzerhand diese Maschinenphantome an Leasinggesellschaften
und mietete sie unter anderem Firmennamen wieder
von diesen zurück. Durch sorgsamer
Hände Planung fassten sich unzählige
Unternehmen bei den Händen und bildeten einen Kreis, in
dem die Gelder immer schneller rotierten.
Den
nicht vorhandenen Produktionsmitteln standen ja schließlich
reale Gelder gegenüber, und die flossen reichlich!
Doch
entwickelte das ganze Geschehen mit der Zeit eine
Eigendynamik, in dessen Mittelpunkt am Ende der arme
Manfred mit seinen Typenschildern stand. Zwar erhielt er
für seine imaginären Geräte den Kaufpreis, hatte
allerdings gleichzeitig die monatlichen Leasingraten
zu berappen.
Um nicht aufzufliegen, musste immer neues Kapital
aufgetrieben werden.
Nun, im Jahre 2001 wurde dem Zirkusdirektor und seinem
geschäftlichen Begleiter schließlich der Prozess
gemacht.
Doch
ein ganz anderer Manfred trat da vor die gestrengen
Richter:
Die doppelte Metamorphose, vom Gebrauchtwarenhändler
zum Sonnenkönig und vom gefeierten Herrscher zum armen
Sünder war nicht spurlos an ihm vorübergegangen.
Seiner
Leibesfülle beraubt, begann Gericht und Öffentlichkeit
sogar ernstlich an seinem Verstand zu zweifeln! Der
amtlich bestellte Gutachter allerdings konnte keine
gravierende Beeinträchtigung seiner Psyche feststellen
und erklärte ihn für voll schuldfähig.
Zu Beginn des Prozesses versuchten noch emsige
Advokaten, mit Befangenheitsanträgen und taktischen
Finessen den juristischen Fortgang der Dinge zu verzögern.
Doch plötzlich änderte sich die Atmosphäre!
Mea culpa, maxima culpa, hallte es plötzlich durch die
geheiligten Hallen.
Die Hauptangeklagten schlugen sich allesamt an die verhärmte
Brust, bestritten vehement die Deckung durch Behörden
und Prüfer und hofften so auf ein mildes Urteil.
Auch wurden die Beteiligten nie müde zu beteuern, bis
zuletzt die Hoffnung auf eine wundersame Wende zum
Legalen gehabt zu haben.
Hatten sie doch versucht, mit einem Big-Deal über die
genarrte Dresdner und Commerzbank eine Anleihe in Höhe
von 300 Millionen Euro auf dem Kapitalmarkt zu
platzieren, um damit die finanzielle Läuterung zu
schaffen..
Aber,
wie sattsam bekannt, wurde aus dem Geschäft leider
nichts mehr.
Schenkt man den Worten der Angeklagten glauben, so
hatten sie schrecklich unter der unerträglichen
Situation gelitten.
Dies
hatte den, nach eigenem Bekunden von Gewissensbissen
gepeinigten, Finanzmagier Manfred allerdings
nicht davon abgehalten, ein fast barock anmutendes
Herrschaftsleben zu führen.
Nun, dank der Selbstbezichtigungen wurde aus der befürchteten
Mammutverhandlung ein kurzer Prozess.
Doch die Absolution wollten und konnten die Richter
nicht erteilen. Stattdessen verhängten sie für
Wirtschaftsdelikte gar drakonische Strafen. Der zum Sünder
gewordene König erhielt zwölf Jahre, sein Genosse 9
Jahre und 6 Monate Kerkerhaft.
Aber,
wie wird es wohl unserem entthronten Wirtschaftsadligen
Manfred weiter ergehen?
Falls man die Phantasie ein wenig bemühen darf, so ließe
sich vermuten, dass
er nach einigen Jahren, der guten Führung wegen, die
Privilegien eines Freigängers genießen dürfte.
Und
wenn er dereinst gänzlich entlassen wird, so läge es
durchaus im Bereich des Denkbaren, dass sein Stolpern in
freiheitliche Gefilde von einem weichen Polster
aufgefangen werden könnte, welches ihm eine treu
sorgende Ehefrau mit den geretteten Millionen dann
trefflich bereitet hätte.
Und nicht zuletzt harren wohl auch schon diverse
Fernseh- und Filmverträge der Ratifizierung durch den
Gefallenen.
...Und eine
literarische Aufarbeitung des Märchens, natürlich
gegen entsprechende Aufwandsentschädigungen, wird sich
angesichts ähnlicher Vorkommnisse in der Vergangenheit
in der Konsequenz wohl nicht vermeiden lassen.
BM
PS:
Die Hauptakteure sind also gerichtet und man könnte
eigentlich das Geschehene seiner weiteren,
hoffentlich umfassenden und gerechten, juristischen
Aufarbeitung überlassen (insgesamt sind noch mehr als
40 Verfahren anhängig und die Rolle der Finanzbehörden
muss ebenfalls noch aufgeklärt werden), wären da nicht
noch einige andere Facetten dieses Falles!
Unter anderem geriet wieder einmal das Gebaren von
Finanziers und Wirtschaftsprüfern in den
Blickpunkt der Öffentlichkeit. Erneut musste
sich der verblüffte Zeuge der Ereignisse fragen, wie
ein solch imposantes Betrugsgebäude unter den
gestrengen Augen der Investoren und Kontrolleure
errichtet werden konnte.
Im Endeffekt unbeachtet bleiben auch wieder einmal die
Einzelschicksale der ehemaligen Mitarbeiter, 4000
insgesamt. Während sich die Initiatoren des Verbrechens
eines enormen Medieninteresses erfreuen, scheint von
ihnen niemand mehr zu reden.
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