

Wohl kein anderer deutscher Fluss ist
so mit Mythen bedacht wie der Rhein.
Als Grenzfluss waren seine Ufer einst heftig umgekämpft.
Doch wurden und werden über ihn hinweg auch versöhnende
Brücken gebaut, welche die Menschen Europas einander näher
bringen.
Seine nicht immer ach so blauen Fluten inspirieren seit
jeher Künstler der schreibenden und malenden Zunft.
Trinklieder schwelgen in romantischen Attitüden und
Dichtungen beschwören eine manchmal fast
patriarchalische Atmosphäre eines Urvaters
Rhein.
Flüsse
sind Quellen der Fruchtbarkeit aber auch der Zerstörung.
So gelangt auch der Rhein immer wieder mit Überschwemmungen
in die Schlagzeilen, bringt sich als nie ganz zu bändigende
Natur in Erinnerung.
Nun, aus einer einstigen Flusswildnis ist im Laufe der
Jahrhunderte eine Industrielandschaft geworden.
Mannigfaltig sind die menschlichen Ansprüche an
den Strom. Transportweg und Trinkwasserreservoir soll er
sein, gleichzeitig Ent- und Versorgungsinstrument und
nicht zuletzt auch eine Projektionsfläche von Heimatgefühlen
und romantischen Anwandlungen.
Dabei bleibt das Verhältnis von Anrainern, Nutzern und
Erholungssuchenden zu seiner Existenz immer ambivalent.
Diese
zwiespältige Haltung kommt ohne Zweifel in den
nachfolgenden Beiträgen zum Ausdruck:
[es
handelt sich um Beiträge zu Ausstellungen bzw.
Publikationen über den Rhein, welche im Rahmen des
Projekts (RH)EINBLICKE zusammengestellt wurden]
Kein
anderer der großen deutschen Flüsse hat sich in die
Geschichte, Literatur und bildende Kunst Deutschlands so
tief eingegraben wie der Rhein: Kein anderer Fluss wurde
seit dem Mittelalter Namensbestandteil politischer
Einheiten, von der rheinischen Pfalzgrafschaft über die
rheinischen Reichskreise und die Rheinbünde bis hin zur
Preußischen Rheinprovinz und den heutigen Bundesländern
Nordrhein-Westfalen und Rheinlandpfalz. Wohl kein
anderer Strom wurde so oft von Dichtern besungen, und
kaum ein anderes Landschaftsmotiv wählten Maler häufiger
seit dem 17. Jahrhundert for ihre Bilder als den
Mittelrhein mit seiner Verbindung von großartiger Natur
und Baukunst. Aber kein anderer deutscher Fuß ist auch
seit dem vorigen Jahrhundert so stark mit kollektiven
Gefühlen geradezu belastet wie der Rhein.
Grußwort
von Dr. Rose Götte, Ministerin für Bildung und Kultur
des Landes Rheinland-Pfalz ("Mythos Rhein")
Der Rhein als Kristallisationspunkt zahlreicher Mythen hat
sich im Laufe der Jahrhunderte selbst zum Mythos
gebildet, hat in einem Ausmaß Symbolcharakter verliehen
bekommen wie kaum ein zweiter europäischer Fluss.
Umwoben von Sagen und Legenden, wurde er zum nationalen Bedeutungsträger
stilisiert und als Projektionsfeld for Sehnsüchte und
Begierden ausgebeutet Personifiziert als Vater
Rhein" diente er als patriotische Metapher so
manchem vaterländischen Streben, aufrichtigem wie auch
weniger lauterem. Am Rhein entzündete sich eine gehörige
Portion Volkerhass, entlud sich ein beträchtliches Maß
an chauvinistischer Borniertheit. Ernst Moritz Arndts
Kampfruf von 1813 wurde hierzulande Programm:
Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze."
Und Heinrich Heine verlieh ihm gar aufrührerische
Qualitäten, wenn er den "freien" Rhein
ironisch den "Brutus der Flüsse" titulierte
(1842).
Natürlich fand solche
Häufung von Mythen ebenso wie die historischen,
politischen und landschaftlichen, topographischen
Besonderheiten ihren Niederschlag in den Künsten...
Bernhard
Holeczek
......Das aber führt zu Problemen, die wir am Rhein besonders
spüren, dem schon von alters her von einer
Stadtlandschaft umgebenen und nun in hohem Maße
industriell erschlossenen Flusslandschaft; eine
Entwicklung, die eigentümlicherweise aufgefangen und
konterkariert wird durch seine gleichzeitige
Romantisierung. Realität des Industriegewässers und Bewusstsein
vom "Vater Rhein" treten auseinander. Auch als
nationales Symbol im Kampf der Volker kann er nun dienen
und schließlich umgekehrt auch Symbol der Völkerversöhnung,
"Fluss Europas", sein., in den bildenden wie
auch in der Dichtung, mitunter sogar in der Musik. Hans
Boldt, Peter Hüttenberger, Hansgeorg Molitor, Dietmar
Petzina
Der Rhein - einer der
bedeutensden Flüsse und Handelswege Europas,
Anziehungspunkt von Reisenden aus aller Welt, zugleich
immer wieder heftig umkämpfter Grenzfluss und ein
Mythos, der die Phantasie von Dichtern, Malern und
Komponisten seit jeher nachhaltig beeinflusste - mit
diesen Schlagworten sind nur einige wenige
Bedeutungs-Facetten erwähnt, die bei der Nennung seines
Namens aufscheinen. Der Rhein als Stimulans romantischer
Gefühle ist feststehender Topos seit zwei
Jahrhunderten.
Die
"Rheinromantik" gilt nach unserem heutigen
Verständnis als Erfindung der englischen Reisenden des
späten 18. und des 19. Jahrhunderts, allen voran des
großen William Turner. Die Loreley, der Drachenfels,
die Festung Ehrenbreitstein oder die ehemalige Zollburg Pfalzgrafenstein
zählen zu den bekanntesten Motiven der Maler von Turner
bis Stanfield, von Webb bis Callow, von den Brüdern
Richardson bis Pyre und anderen. Entscheidenden Einfluss
auf die britischen Künstler übten die niederländischen
Maler und Zeichner des 17. und 18. Jahrhunderts aus. Zu
ihnen gehören der Rembrandt-Schüler Lambert Doomer
ebenso wie Hermann Saftleven als Erfinder der
"phantastischen Rheinlandschaft" oder dessen
Nachfolger Jan Griffier.
HONNEF,
WESCHENFELDER und HABERLAND (Hrsg): "Vom Zauber des
Rheins ergriffen ... - Zur Entdeckung der
Rheinlandschaft", 2. Umschlagseite, München 1992:
Klinkhardt & Biermann
(ISBN 3-78144334-3)
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