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Blau-weiß ist die Fußballwelt
und blau-weiß ist auch der Himmel über dem grünen Oval, der
riesigen Opernarena unter dem badischen Firmament.
Der Chor allerdings steht nicht auf der Bühne, sondern
intoniert Schlacht- und Triumphgesänge auf den Rängen.
Tausendkehlig ertönt das Badenerlied im weiten Rund.
Die Cheerleaders, junge Mädels eines hiesigen
Karnevalsvereins, in blauen Trikots und weißen Röckchen, tänzeln
aufgeregt auf ihren Beinchen. Ihre Pompons
rascheln nervös und ihre
Blicke sind auf den dunklen Schlund des Kabineneingangs
gerichtet. Da kündet hartes Klacken stollengespickter Treter
Großes an....
Endlich ist es soweit!
Unter dröhnenden Klängen erfolgt der Einmarsch der
Gladiatoren, reihen sich die Helden im Anstoßkreis auf und
begrüßen winkend die johlende Menge.
Das Ritual der Platzwahl erfolgt, ein artiger Handschlag, das
Spiel kann beginnen.
Ein Pfiff ertönt.
.. und dann werden munter die Beine gekreuzt, wird eifrig gegrätscht,
gesäbelt, dem Gegner die Lederkugel abgejagt , gerempelt,
geschoben ... und natürlich Tore gemacht.
Den Ball
in den Winkel gehämmert, über die Linie gedrückt, ins lange
Eck geschlenzt, oder .. eben nicht!
Eddie Schmidt, die schnaubende Lokomotive des Euro-D-Zuges,
tankt sich durch die Reihen der Gegner, grätscht dem Ball
entgegen, wirft sich verzweifelt in das Duell mit dem Gegner.
Die Nummer Sieben trennt energisch die labile Liaison von Ball
und Gegenspieler, was die begeisterten Fans mit feurigem
Applaus honorieren.
....ein rotblonder Derwisch düpiert den Gegner mit wackelnden
Lenden, der Ball tanzt zwischen seinen Beinen, er dringt in
den magisches Raum vor dem Leichtmetallgehäuse ein, nähert
sich zielstrebig dem rechteckigen Objekt der Begierde,
Noch ein Haken, ...verflixt! ...einer zuviel, grämt sich der
Reporter und der Trainer verzieht das Gesicht.
Doch plötzlich nehmen die rot-gelb gedressten Protagonisten
auf dem Feld das badische Herz in beide Hände, stürmen
munter drauf los, kämpfen, rackern, tanzen in heißen Fußballnächten
Flamenco mit ihrem spanischen Gegner. Zwingen schier übermächtige
Widersacher in deren zitternde
Knie, greifen mit fester Hand nach blitzenden Pokalen........
.. wach auf, träumender
Fan, die Musik spielt auf dem Rasen, und intoniert ein eher
traurig Lied. ............
Denn die Euphorie sportlich goldener Zeiten ist im
Wildpark längst mausgrauer Normalität gewichen.
Und inzwischen ist viel
passiert.
Der Karlsruher Sportclub verlor nicht nur seine Zugehörigkeit
zum Fußballoberhaus nein, er musste zwei Jahre später zum
Entsetzen der Treuesten, auch noch den Gang in die Niederungen
der Regionalliga antreten.
Missmanagement und falsche Selbsteinschätzung des einst, nach
eigenem Bekunden, reichsten Zweitligisten, brachten den Verein
an den Rand des sportlichen und finanziellen Abgrunds.
Zu jenen Zeiten zeigte man sich in jeder Hinsicht generös, überließ
nicht nur dem Gegner die Spielpunkte, sondern schafft es auch
mit sicherem Gespür, durch geschickte Spieleinkäufe
und Vertragsabschlüsse, die finanziellen Lorbeeren
unter bedürftige Fußballrecken
und Verwaltungsfachkräfte zu
verteilen.
So wurden seit dem Abstieg 18 Millionen DM verbraten.
Der endgültige Ruin wurde am
Ende wohl nur durch das finanzielle Engagement eines
Rechtesvermarkters verhindert.
Auch sportlich ging es weiter bergab und der endgültige
Absturz folgte auf dem Fuße. Nun wurde es ganz dunkel im
einst so hellen Wildpark.
Und wie so häufig verließen die, welche so eifrig das
Vereinsporzellan zu Boden geworfen hatten, den Club, während
die bedauernswerten Fans blieben, (bleiben mussten), wie
immer.
Aber von Verantwortung mag im
Profifußball niemand so gerne reden, und der Zeitenlauf kommt
dieser Haltung wunderbar entgegen. Die Spieler der ehemaligen
Bundesligamannschaft fanden neue Wirkungskreise, der ehemals
gefeierte Trainer genießt seinen badischen Dämmerschoppen in
familiärer Atmosphäre.
Auch der langgediente Präsident, mit dessen Namen das Wohl
und Wehe des Vereins lange verknüpft war, musste am Ende das
Handtuch werfen.
Nun, nachzukarten wäre sinnlos und ist gegen die
offensichtlichen Regeln des Betriebs. Und der KSC ist mit den
beschriebenen Geschehnissen kein Sonderfall im bezahlten Fußball.
Doch wie es manchmal so
geschieht, folgt auf Regen auch wieder Sonnenschein und dies
in Form des jetzigen Trainers Stefan Kuntz.
Im Laufe der letzten Saison avancierte er immer mehr zum
Hoffnungsträger und hauchte dem,
auf dem Rasen
daniederliegenden, Vereinskörper
neues Leben ein.
Er gab den gedemütigten Fans wieder Gelegenheit zum Jubel und
nährte sogleich die Sehnsucht nach Höherem.
Schon blühten neue Wünsche nach sportlichen Erfolgen und
tatsächlich, nach einigen Stolperern auf der Ziellinie,
taumelte der KSC freudetrunken zurück in die 2. Liga.
Aber schon werden Begehrlichkeiten
wach, und so manch schwüle Brise der Selbstüberschätzung
umweht die
Fluchtlichtmaste im Wildpark.
Aber
gemach, Fans dürfen träumen, es sei ihnen vergönnt.
Schließlich befinden sie sich häufig auf einer emotionalen
Achterbahn, deren Hochs und Tiefs von gutsituierten Spielern
und Machern konstruiert werden.
Aber, vielleicht ist es ja gerade dieser Taumel, dieses
Wechselbad der Gefühle, welches die Menschen für diesen
Sport so begeistert..........

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