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© Hajo
Walckenhorst
Der interessierte Beobachter reibt
sich verwundert die Augen. In der Karlsruhe City
schießt ein Konsumpalast nach dem anderen aus
der Erde.
Postgalerie, Mendelssohn-Center, ECE sind die Synonyme
dieser Entwicklung. Nach einem Bericht der Badischen
Neuesten Nachrichten zufolge wird sich durch diese
Bestrebungen die Verkaufsfläche um 58.000 qm auf denn
228.000 qm erhöhen.
Ja, wenn es nach Investorenplänen geht, sollen es am
Ende sogar fast 400.000 qm
werden, was dann etwa der doppelten Verkaufsfläche der
Stadt Mannheim entsprechen würde!
Schier
unerschöpflich scheint dabei das Vertrauen in das monetäre
Potential der Konsumenten. Doch melden sich auch einige
kritische Stimmen zu Wort. So befürchten z.B. die
Vertreter des Einzelhandels einen ruinösen Wettbewerb
der Großen bei dem die so genannten
Kleinen auf der Strecke bleiben.
Ganz von der Hand zu weisen sind diese Befürchtungen
nicht. Zwar beeilen sich
Vertreter und öffentliche Repräsentanten auf
einen Zuwachs von Arbeitsplätzen zu verweisen, wie etwa
bei der Postgalerie geschehen, ignorieren aber dabei den
Verdrängungskampf, welcher sich nicht nur im
Verborgenen abspielt.
Denn,
so gibt der naive Laie zu bedenken, steht die Kaufkraft
der Verbraucher dem Handel nicht unbegrenzt zur Verfügung!
Die durch die Ansiedlungspolitik unbestrittene
Konzentration des Angebots auf große Handelsketten und
Konzerne birgt nicht wenige Probleme.
Das
Spielfeld, auf dem sich die Kontrahenten behaupten müssen,
ist fast ausschließlich
das heikle Terrain der Preisgestaltung. Bunte
Prospekte und Zeitungsbeilagen signalisieren dem Schnäppchenjäger
reiche Beute zu Preisen, welche die nicht so potenten
Konkurrenten die stumpfen Waffen strecken lässt.
Diese Anbieter haben durch ihre dahinter stehende
Wirtschaftskraft den zweifellos längeren Atem.
Diese
Tatsachen sind die eine Seite!
Aber man ist auch versucht, die ketzerische Frage zu
stellen, ob der Mensch wirklich nur noch solche
Etablissements der hedonistischen Zerstreuung benötigt?
Publikumswirksam inszenierte Eröffnungen können
nicht darüber hinwegtäuschen, dass
es sich doch eigentlich nur um Örtlichkeiten
ziemlich profaner Dienstleistungen handelt. Öffentlich
merkantile Räume, an denen man sich mit allerlei nützlichen
und unnützen Gütern eindecken kann.
Natürlich mühen sich die Repräsentanten des Handels,
ein Einkaufserlebnis besonderer Art zu zelebrieren, um
so der banalen Tätigkeit des Einkaufs höhere
kulturelle Weihen zu verschaffen.
Doch so sehr sie sich auch anstrengen mögen, wird es
ihnen schwerlich gelingen, auf dem Ritual des Einkaufs
eine höherwertige kulturelle Handlung zu generieren.
Es benötigt keineswegs elitärer Verirrungen, um sich
dieser Tatsache bewusst zu werden.
Die heiligen Stätten der schönen neuen Verkaufswelt
sind und bleiben nun mal banale Anstalten des Konsums!
Aus diesem Blickwinkel betrachtet gewinnt ein
anderes Geschehen an Bedeutung:
Weithin
bekannt sein dürften die Ambitionen der Fächerstadt,
eventuell im Verbund mit Straßburg
oder gar noch Basel, Kulturhauptstadt Europas zu
werden.
Ein
sicher lobenswertes Unterfangen, welches Renommee und überregionale
Bekanntheit bedeuten würde.
Doch steht eine Realisierung noch in weiter Ferne,
fehlen dem kulturellen Profil noch Fundament und Vision.
Aber keine Angst, sollten diese
Versuche scheitern, bliebe den Karlsruhern am
Ende doch noch eine Auszeichnung, nämlich die der
Konsumhauptstadt Europas!
Ein Ehrentitel, welcher dann auch wohl eher den realen
Gegebenheiten unserer kulturellen Befindlichkeit
entsprechen würde.
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