[...] Die
Verfassunggebende Versammlung des neuen Landes wurde am
9. März 1952 gewählt. Die CDU war stärkste Partei mit
50 Mandaten, die SPD hatte 38, die FDP 23, der Bund der
Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) sechs und die
Kommunisten vier Mandate. Nachdem die »Fronten« damit
geklärt waren, entbrannten in der Verfassunggebenden
Landesversammlung die Debatten um die Gestaltung des
neuen Staatswesens
Der
»schwarze Freitag«
Seit
Ende März 1952 rückte die Frage »Wer wird Ministerpräsident?«
in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Bemühungen
der CDU, eine Große Koalition
zustande zu bringen, scheiterten an der SPD, und auch
die FDP/DVP war nicht für eine Koalition zu gewinnen.
Was
dann geschah, setzte der turbulenten Südweststaat-Bildung
die Krone auf: Am 25. April 1952, dem Tag, der in die
Geschichte der CDU als »schwarzer Freitag« einging,
bildete Reinhold Maier Punkt 12.30 Uhr handstreichartig
die neue Landesregierung aus FDP/DVP, SPD und BHE und
schickte seinen Mitstreiter von früher, Gebhard Müller,
mit der stärksten Partei im Landtag in die Opposition.
Müller war schwer enttäuscht.
Franz
Gurk, damaliger Vorsitzender der CDU-Fraktion, kündigte
in einer mehrfach von Zwischenrufen unterbrochenen Rede
dem neuen Ministerpräsidenten und der von diesem »man
dürfe wohl sagen widerrechtlich« gebildeten
Regierung schärfste Opposition an. Ein Großteil der Wähler
sei vom Aufbau des neuen Bundeslandes ausgeschlossen.
Das erste Beispiel der Neubildung eines Bundeslandes
nach dem Grundgesetz sei jetzt schon zum Misserfolg
geworden.
Unmittelbar
nach der Sitzung schickte die CDU-Fraktion ein Telegramm
an den Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Bonn, in dem
sie gegen die staatsrechtlich unzulässige
Regierungsbildung protestierte und gemäß Art. 28 des
Grundgesetzes um Einschreitung der Bundesregierung zur
Herbeiführung der verfassungsmäßigen demokratischen
Ordnung im neuen Bundesland bat. Aber ohne Erfolg.
Reinhold Maiers »Taschenspielertrick« war jedoch nur
von kurzer Dauer. 1953, nach der Bundestagswahl, räumte
er seinen Sessel in der Villa Reitzenstein für seinen
CDU-Kontrahenten. Gebhard Müller bildete ganz nach
seinem Politikverständnis eine Allparteienkoalition
zur Schöpfung der Verfassung und zum Aufbau des Landes.
Am 11. November 1953 verabschiedete die
Landesversammlung die Verfassung. - [...]
Quelle
Landeszentrale für politische Bildung
..Diese Vorgänge, zusammen mit einer Verschleppung der
Volksabstimmung, sind es u.a., die nicht nur so manchem
Altbadener immer noch etwas bitter aufstoßen.
Ohne Zweifel ist daher die Haltung nicht nur von ganz
eingefleischt Badischen zum Landesgeburtstag eher
zwiespältiger Natur.
So ganz lassen sich halt die gegenseitigen Ressentiments
nicht beiseite räumen.
Und immer wieder sorgen, gelinde formuliert, unverständliche
und als ungerecht empfundene Entscheidungen aus
Stuttgart für Irritationen oder gar Empörung im
badischen Landesteil.
Die
Behandlung des Karlsruher Privatsenders die Welle
durch die Landesanstalt für Kommunikation (LfK) sowie
die mangelnde politische Bereitschaft des Landes das
Projekt Karlsruher-Messe adäquat zu unterstützen, müssen
wohl als traurige Belege für diese Tatsache angesehen
werden.
Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, kann nur eine gerechte Behandlung aller
Landesteile in wirtschaftlicher und politischer
Hinsicht Missstimmungen und Irritationen verhindern.
Unbedingt von Nöten ist hierbei eine Transparenz
jeglicher Entscheidungsfindung!
Allerdings ist aus badischer Sicht Patriotismus um des
Patriotismus willen genauso wenig angesagt wie
unmotiviertes Gezeter.
Überhaupt das viel zitierte Weh und Ach im badischen
Lager.
Liegt
dies vermeintlich regelmäßige Gejammer wirklich
am mangelnden Selbstbewusstsein der Badener, wie es der
Politologe Paul-Ludwig Weinacht unlängst in einem
Artikel der Badischen Neuesten Nachrichten zu Bedenken
gab? Ja, unterstellt nicht gerade ein solcher Denkansatz
Minderwertigkeitskomplexe in der badischen Seele?
Der
besagte Politologe, selbst Badener, hat übrigens gerade
ein Buch herausgeben, welches den vielsagenden Titel
Badische Regionen am Rhein. 50 Jahre Baden in Baden-Württemberg.
Eine Bilanz trägt.
PS:
Gerade sorgt die Veröffentlichung
der
offiziellen Festschrift des Landes zum 50-jährigen
Jubiläum "Baden-Württemberg - Vielfalt und Stärke
der Regionen" für gehörigen Wirbel im Reiche der
Briganden. Die darin enthaltene Analyse von Professor
Klaus-Jürgen Matz über die historische Entwicklung und
aktuelle Stellung der Fächerstadt hat eine öffentliche
Kontroverse über
die von dem Verfasser vertretenen Thesen ausgelöst.
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