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Mit
vielen Attributen hat man Hanns Dieter Hüschs Person und
Wirken bedacht.
Nun, als guter Mensch zu gelten, entspricht fast mehr einer
moralischen Hypothek, denn einer Lobpreisung.
Im Bezug auf Hüschs Werk
entspringt
diese Auszeichnung zweifellos dem immanent humanitären
Bestreben seines Programms.
Ob er Augen zwinkernd
die Banalitäten
des Alltags beschreibt oder politische Missstände mit
verbaler Vehemenz anprangert, immer bleibt diese Haltung spürbar.
Äußert er sich etwa zu dem allzu menschlichen
seiner
niederrheinischen Heimat, ist er weit davon entfernt, seine
Figuren zu denunzieren. Im Gegenteil, sein genaues Beobachten
ermöglicht den Zuhörern ein heiter reflektierendes
Wiedererkennen eigener Verhaltensweisen.
Unbestritten steht Hüsch in der Tradition des poetisch
literarischen Kabaretts.
Er agiert auf den Brettern, welche die Welt bedeuten, als ein
mit Worten spielender Hanns guck in die Luft im gut
gemeinten Sinne: die Beine auf dem festen Boden des Alltags,
den Kopf in den Wolken humanistischer Ideale.
Nicht
in der Kommentierung politischer Ereignisse, sondern im Kampf
um ein Menschenbild, das dem Menschen würdig ist, sieht und
sah er die Aufgabe des Kabaretts. (Matthias
Thiel - Stiftung Deutsches Kabarettarchiv -)
In
den über 50 Bühnenjahren wurde er niemals müde, für die
Utopie einer menschlichen Welt einzutreten. Das satirische
Politisieren überlässt
er
dabei meist den anderen. Was ihm durchaus auch Kritik von
Seiten des vermeintlich politisch engagierteren Spektrums
einbringt.
Er entwickelt
eine
eigene poetische Sicht auf die Dinge, vergisst aber dabei nie
das im besten Sinne moralische Fundament. Allerdings
ohne dabei den berühmten Zeigefinger zu gebrauchen. Den benötigt
er
schließlich, um sich selbst auf der Orgel zu begleiten.
Damit bildet er in mancher Hinsicht eine Ausnahmestellung in
der deutschen Kabarettszene.
Eher still und nachdenklich, eher melancholisch als polternd.
Eigenschaften, mit denen normalerweise die Repräsentanten der
medialen Spaßkultur wenig anzufangen wissen.
Gerade deshalb hat Hüschs Sicht auf die Welt etwas Zeitloses,
zutiefst Menschliches.
Das
Leitmotiv von Hüschs Werken ist, im Vertrauen
auf die versöhnende Kraft der Liebe, das
'Prinzip Hoffnung', der ungebrochene Glaube an
den Traum vom besseren Menschen in einer
besseren, weil menschlicheren Welt. Schwankend
zwischen Trauer und Heiterkeit, Melancholie und
Komik, thematisieren seine Programme sowohl die
Verzweiflung an dieser, wie auch die Hoffnung
auf diese Utopie. Und sie bewegt mich doch!, der
Titel der letzten geschlossen-durch-
komponierten Produktion Hüschs ist
charakteristisch für diese Haltung:
Kapitulation ja, aber Resignation nie.
Optimismus ungern, aber Zuversicht immer.
Einige
Stationen seiner Bühnenarbeit:
während des Studiums erste Auftritte mit der
Musikband
"Die Uni-Rhythmiker"
1947-1948
Auftritte mit dem Mainzer Studentenkabarett
"Die Tolleranten"
1949
Erstes Solo-Programm: "Das literarische
Klavier"
1953
Aufführung von "Ein kritisches Oratorium für
Soli, Chor und Reißnagelklavier"
1956
Gründung des Kabarettensembles "arche
nova" in Mainz
Daneben Synchronsprecher für
Fernsehserien (z. B. "Dick und Doof")
und Fernsehschauspieler..
1973
Moderation der Sendung
"Gesellschaftsabend"
Zahlreiche Hör- und Fernsehspiele in den
siebziger und achtziger Jahren (z. B. "Heil
Dir im Lorbeerkranz")
1988 Fernsehfilmproduktion für
das ZDF: "Abschied von einer Stadt"
1989
Tournee mit dem Soloprogramm "40 Jahre
unterwegs"
1992
Tournee mit dem Programm "Meine kleine
Nachtmusik"
1994
Auftritte mit dem Soloprogramm "Ein neues
Kapitel"
1995
Summertime am Niederrhein, mit Dieter Nuhr und
Musikern
1996
HANNS DIETER HÜSCH trifft FRANZ HOHLER;
Kabarettistische Meisterstücke
1997
Sach mal nix, Niederrheinische Geschichten, Solo
1999
WIR SEHEN UNS WIEDER, Solo
Der
letzte Vorhang...
Hanns Dieter Hüsch verabschiedete sich am
16.12.2000 in seiner niederrheinischen
Heimatstadt Moers nach mehr als 50 Jahren von
der Tourneebühne.
Biografisches:
Geboren
6. Juni 1925 in Moers
Ausbildung
1946-1951 Studium der Fächer Medizin,
Theaterwissenschaft und Literaturgeschichte
Sein
Credo:
"ich
habe immer versucht,
die erhabenheit der bäume
die unverwundbarkeit der steine
die vorurteilslosigkeit der flüsse
und die gelassenheit der tiere
zu erreichen.
aber es ist mir nicht gelungen."
H.D.Hüsch

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