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KULTUR: Die Karlsruher Maler der Neuen Sachlichkeit

Die Mystifikation des  Realen:
der Maler Karl Hubbuch

Kinder, die unter Steinen aufwachsen, um 1933/35
 
©  Hubbuch Stiftung, Freiburg



"Wir sind immer von den Dingen ausgegangen. 
  Hinter den Dingen ist nichts."
Georg Scholz

...Die vorausgegangene Katastrophe des 1.Weltkrieges, soziale Missstände, Arbeitslose, Kriegskrüppel in den Straßen, an den Rand gedrängte Menschen! Wie sollten die Künstler jener Tage auf solche Bilder, auf eine weit von der harmonischen Idylle entfernten Welt reagieren?
Zum Teil selbst Partikel der traumatischen Ereignisse des Krieges, kehrten sie desillusioniert mit einer depressiv veränderten Perspektive in die Wirklichkeit deutscher Städte zurück.
Kunsthistorisch betrachtet ist man versucht die Zeit nach den schrecklichen Kriegsjahren als ein Atemholen zwischen der emotionalen Ekstase des Expressionismus und dem weiteren Weg in die Abstraktion zu bezeichnen.
Im Sommer 1925 fand in der Mannheimer Kunsthalle eine denkwürdige Ausstellung statt, die unterschiedlichsten künstlerischen Ansätzen den Namen „Neue Sachlichkeit“ geben sollte.
Allen gemein schien der Versuch zur Wiederlangung des Gegenstandes.  
Der Wirklichkeit sollte Gerechtigkeit widerfahren. Keine expressionistische Verbrämung, kein
emotionaler Filter sollte das Sichtbare verzerren. Schließlich konnte und musste die Welt für sich selbst sprechen.
Dabei kristallisierten sich zwei unterschiedliche künstlerische Haltungen heraus:
Zum einen die „Veristen“, politisch und weltanschaulich engagierte Maler, die als linker
Flügel bezeichnet wurden, zum anderen, die als „Klassisten“ charakterisierten Maler romantischer Stillleben und der Idylle.
Doch wäre es falsch, sie voreilig unter einem ideologischen Dach zu vereinen, gemeinsam war ihnen allerdings der Versuch, die Seele des Gegenstandes freizulegen und nach der unverfälschten Dingwelt zu forschen.

“Was wir zeigen, ist allein, dass die Kunst noch da ist, dass sie zu Neuem Ungesagten strebt [...]
dass die Künstler – enttäuscht, ernüchtert, oft bis zum Zynismus resignierend, fast sich selber aufgebend nach dem Augenblick grenzenloser, beinahe apokalyptischer Hoffnungen – sich mitten in der Katastrophe auf das besonnen haben, was das Nächste, das Gewisseste und Haltbarste ist: die Wahrheit und das Handwerk.“
Gustav F. Hartlaub, Geleitwort zur Ausstellung „Neue Sachlichkeit 

In der genannten Ausstellung war auch der Karlsruher Maler Karl Hubbuch vertreten.

Hubbuchs Werk widersetzt sich einer Vereinnahmung durch irgendeinen –Ismus.
In der sozialkritischen Darstellung der Lebenswelt mit einem Georg Grosz vergleichbar, geht er doch seinen eigenen künstlerischen Weg, die sichtbare Wirklichkeit abzubilden, wie es ihr gebührt: ungeschönt und wahrhaftig.
Freilich geschieht dies immer mit einem subjektiv geprägten Empfinden, welches die Bildsprache bestimmt, Überhöhungen und Typisierungen zulässt.
Mit einem genauen Hinsehen, gepaart mit einer inneren Reflexivität, schildert er teils akribisch und in altmeisterlicher Maltechnik die Wirklichkeit der individuellen und sozialen Befindlichkeit des Menschen.
Der 1. Weltkrieg und die Zeit danach hatte bei den Künstlern einen „Modernisierungsschock“ ausgelöst, den es ästhetisch und inhaltlich/formal zu bewältigen galt.
Die Mittel hierzu waren, bei allen Gemeinsamkeiten, sehr unterschiedlich.
Hubbuchs Antwort war, so ist man geneigt zu vermuten, die Flucht nach vorn in eine ungeschminkte Darstellung der Realität. Ein Bild, welches den Menschen als Krone der Schöpfung ablöste und in einen realistischen Kontext der Welt setzte. Ihm war es ein Anliegen,  das So-Sein dieses Wesens quasi anatomisch herauszuarbeiten: Seine Triebhaftigkeit in den Fokus der Betrachtung zu stellen.
Nicht mit dem Ziel der Bloßstellung, sondern mit der Intention, dem Menschen jenseits von ästhetischen und politischen Ideologien den Platz zuzuweisen, welcher ihm im Schatten der vergangenen und gegenwärtigen Geschehnisse zusteht: Als zerrissenes Geschöpf, in dem Vernunft und Trieb miteinander streiten.
So formulierte es Dr. Erika Rödiger-Diruf:
 
[...]Hubbuch geht es in seiner Kunst um Wahrheit und Wahrhaftigkeit, um die Erfassung der ungeschönten Realitäten, wie sie sich tagtäglich darbieten und wie sie sich sowohl im menschlichen Intimbereich als auch im sozialen Miteinander der Menschen immer von Neuem  ereignen [...]

 

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Karl Hubbuch

 
© copyright, Karl Hubbuch Stiftung im Museum Graf-Eberstein-Schloss
76703 Kraichtal-Gochsheim



Biografisches:

geb. 1891 in Karlsruhe,
gest. 1979 ebenda. 

1908-1912
Akademie Karlsruhe. 
1912-14 
Schüler Emil Orliks in Berlin. 
1914-18 
Soldat. 
1920/21 
Meisterschüler bei Conz in Karlsruhe. 
1922 und 1924 Aufenthalte in Berlin. 1925 
Teilnahme an der Mannheimer Ausstellung "Neue Sachlichkeit".
 
1928 
Ernennung zum Professor, 1933 Entlassung aus dem Lehramt. 
1933-45
Gelegenheitsarbeit als Uhrenschildermaler und keramischer Maler. 1947-57
Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, danach freischaffend tätig. 
1970
erblindet er nahezu und fertigt bis zu seinem Tode 1979 kein Werk mehr an.

Quelle:
 
  musée imaginaire