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Der Begriff "Heimat" ist vielfältig besetzt und
belastet.
Aber ist er in einer globalisierten Welt überhaupt noch
zeitgemäß?
..da müsste man doch gleich auch noch diesen eigenartigern
Begriff der "Globalisierung" näher beleuchten!
Aber dies sei diesmal nicht unsere Aufgabe.
Insbesondere wir Deutschen dürften mit dem Begriff der Heimat
so unsere Definitionsprobleme bekommen zumal, wenn er mit dem
Begriff Vaterland in Verbindung gebracht wird.
Während anders geartete oder, besser gesagt, anders historisierte
Nationen unverblümt und unverkrampft die nationale Identität
beschwören, tun wir uns schwer mit allem, was auch nur im
Entferntesten mit Nation oder gar Patriotismus in Verbindung
gebracht werden kann.
Dies ist nur zu
verständlich, da in unserer Vergangenheit mit einem
Heimatbegriff operiert wurde, der einer abstrus aufgeladenen
Blut- und Bodenideologie entsprang.
Die Nationalsozialisten betrieben eine Gleichschaltung der Gefühle,
der ästhetischen Grundkategorien und diktierten, wie Heimat auszusehen hat. Dabei blitzte das Grauen durch die
seltsam leblos wirkenden Gesichtsfassaden der aseptisch
dreinblickenden Bauernmädchen.
Aber lassen wir diesen unsäglichen Bereich ideologisch
manipulierter Bauernherrlichkeit bei Seite und
versuchen, uns in allgemeinerer Form dem Begriff zu nähern.
Ohne Zweifel geht
seine Bedeutung weit über solche, zu manchen Zeiten zu rein
politischen Phrasen verkommenen, Formeln hinaus.
Es fassen sich so unterschiedliche Chiffren wie Gruppe, Sippe,
Clan, Nation und Weltbevölkerung,
an der Hand, um die Grundlagen des sozialen Erlebens zu
formen.
Doch Worte sind
wie üblich nur Schall und Rauch.
Sie bilden ein linguistisches Gefäß, in dem sich alles
zu sammeln scheint.
Der Begriff der Heimat hat wohl mehr mit elementaren Bedürfnissen
der Menschen zu tun.
Dies sind u.a. die Sehnsucht nach Anerkennung und nach Identität,
Gefühle der Geborgenheit und des Einklangs mit der
unmittelbaren Lebensumgebung.
Befinden wir uns dagegen in der Fremde, beschleichen uns Gefühle
des Nicht-Hierher-Gehörens, des Verlustes der Mitte,
der fehlenden Vertrautheit.
Wir fühlen uns etwa wie ein Astronaut, der die Erde unter
sich betrachtet, die im kalten Ozean des Weltalls ihre Bahn
zieht und der bei sich spürt,
dass nur dort auf diesem blauen Planeten die Bedingungen
herrschen, die er zum Leben braucht und dass er hier draußen
nur ein Fremdkörper ist.
Vielschichtig sind die Gedanken, Assoziationen und vor allem
Emotionen, welche mit der Suche nach dem Kern unseres
Heimatverständnisses einhergehen.
Sie hängen eng mit der Biographie eines Menschen, mit seiner
Lebenseinstellung, seiner individuellen Erfahrungswelt
zusammen.
Es ist eine Grundempfindung, einfach
am rechten Platz zu sein und dass die Umwelt stimmig scheint.
Man fühlt sich an
diesem Ort als Person
ernstgenommen, geschätzt, geliebt und verstanden.
Und vor allem wird dort eine Sprache gesprochen, die ich man
versteht, in der man seine Bedürfnisse artikulieren kann.
Und vielleicht ahnt der Mensch gerade dort die Wurzeln eines
biographischen Fundaments, welches in die Vergangenheit weist
und dessen Herkunft kenntlich macht und legitimiert.
In solch einem Kontext spielt die Gestalt des Ortes vielleicht
eine eher untergeordnete
Rolle. Im Gegenteil, nur allzu leicht wird eine visuelle
Festlegung zum reinen Klischee, welches sich das Genre des
Schlagers oder gar des Heimatfilms bedient.
Und natürlich waren und sind prachtvolle Bergwelten und eine,
von Heidschnucken
umsäumte, Kate nur Abziehbilder einer
Wunschvorstellung.
Doch beleuchten diese idealisierten Bilder einen wichtigen
Aspekt des Heimatbegriffs, den des intakten, wohl geordneten
Milieus. Vielleicht der Archetypus der Heimatvorstellung.
Allen Szenerien gemeinsam ist die Unschuld der Idylle, welche
Sicherheit und Schutz gewährt, und in der eventuelle
Verletzungen heilbar sind.
Doch wirft diese latente Sehnsucht nach Behütetsein ein
Schlaglicht auf das heimatbildende Grundbedürfnis des
Menschen.
Und ohne Zweifel hat man gegenüber der Umgebung, in der man
aufgewachsen ist, ein besonderes Verhältnis, und selbstverständlich
imaginieren Menschen Landschaften und Stätten in und an denen
sie gerne leben möchten.
Aber wie steht es nun um
den Heimatbegriff in unserer modernen Gegenwart?
In einer komplexen und vernetzten Welt ist ein Lokalisieren
der Standorte kaum mehr möglich. Insgesamt verlieren solche
Stätten ihre Verortung in der geographischen Realität.
Sie weichen einem imaginären Topos, der frei im Raum zu
oszillieren scheint.
Und gerade ein zusammenwachsendes Europa, komplexe
Migrationbewegungen und zunehmend vom Arbeitsmarkt geforderte
Mobilität, stellen den zentralen, den ursprünglichen Ort des
Sich Heimischfühlens zur Diskussion.
Doch eben auch hier suchen Heimatgefühle ihren Platz.
Denn Heimat ist konstitutiv für die Identität eines Menschen
und wichtig für sein seelisches Gleichgewicht:
Heimat ist also
nicht einfach vorhanden, sie ist auch niemals fertig, sondern
in einem gewissen Maße immer wider neu zu erschaffen, neu
aufzubauen, auf jenen Fundamenten, die wir nicht zerstören könne
ohne uns selbst zu zerstören. ( Arthur Häny)
Allerdings lässt
sich die Frage, was denn Heimat letztendlich bedeutet,
allgemeingültig wohl nicht beantworten!
Oder vielleicht doch?!
"Wherever
I lay my head, there`s my home!"
Ist also der
aufgeklärte Kosmopolit "der" Prototyp des neuen Bürgers?
Weltbürger und sonst nichts? Überall zu Hause, überall
daheim?
Womöglich..
Aber oh Schreck, was soll man dann davon halten, dass einer
wie Tomi Ungerer, der wohl von sich sagen würde, er wäre ein
solcher Kosmopolit, auch Elsässer sein will, und dies es am
Ende womöglich auch noch ist!
Ein Elsässer!... was soll das denn sein?!
...oder ein Badener?!
..in ihrer
geradezu subversiv wirkenden Regionalität und
weltpolitischer Bedeutungslosigkeit!
B.M.

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