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Die Flut von
Nachrichten und Bildern vor allem in den elektronischen Medien
suggerieren dem Betrachter eine permanente Teilhabe am
globalen Weltgeschehen.
Obwohl wir uns im Grunde über die Problematik der Bilder als
Wirklichkeitsersatz durchaus im Klaren sind, verführt
eine, durch das heutige "Datenüberangebot"
provozierte Ökonomie der Informationsaufnahme, zu einer
leichtfertigen weil bequemen Übernahme des Dargebotenen.
Die in den Medien transportierten Wahrheiten finden
quasi schleichend Zugang zu unseren Erfahrungsurteilen
und werden so nur allzu leicht zur Grundlage für unsere
Interpretation und Meinung über die Welt.
Wie heikel eine solch bewusste oder unbewusste kritiklose
Akzeptanz des Dargebotenen als Basis unserer
Weltsicht ist, wird deutlich, wenn wir den Realitätscharakter
von Bildern hinterfragen:
[...]
Realistische Bilder, allen voran fotorealistische Bilder
werden als Dokumente existenter Objekte und tatsächlicher
Sachverhalte gewertet. Der Realismus der Bilder scheint sich
aus der gegenständlichen Darstellungsfunktion ikonischer
Mittel zur Informationsspeicherung zu ergeben und zwar
mitunter so erfolgreich, dass nicht nur die Idee des Trompe-l´
oeil
mit unterschiedlichen Techniken immer wieder in Mode kommt,
sondern dass Illusionstheorien paradigmatisch für den Umgang
mit dem Bild werden konnten: Der Unterschied zwischen
Wirklichkeit und Abbildung verschwindet und der Betrachter
wird über den Zeichencharakter des Bildes hinweggetäuscht.
Realismus pur! [...](1)
[...] Es scheint intuitiv einsichtig, einen ikonisch
dargestellten Gegenstand als realistisch wiedergegeben zu
identifizieren. Realistisch meint hier, das dargestellte
Objekt verfügt über eine Ästhetik, die auch seinem realen
Pendant in puncto Farbe, Form und Oberflächenstruktur
zukommt. Die Tatsache, dass es sich um kein dreidimensionales
Objekt handelt, sondern um eine perspektivisch geschickte
Transformation ins Zweidimensionale auf einem Trägermedium
(Papier, Leinwand, Projektionsfläche etc.) dient maßgeblich
zur Unterscheidung eines Bildes von einem Objekt. Ebenso
intuitiv vertraut ist es, solchermaßen realistisch
dargestellte Objekte oder Sachverhalte als abgemalte,
abgelichtete, abgebildete oder abgescannte Abbildungen
aufzufassen. Die Silbe ab verweist auf einen Vorgang, der in
der Transformation ikonischer Eigenschaften eines Originals in
sein Abbild besteht bzw. verweist darauf, dass das Bild über
eine gegenständliche Darstellungsfunktionen verfügt. Nun
kann es sein, dass das Objekt tatsächlich vorhanden ist bzw.
der Sachverhalt sich zugetragen hat, dass das Objekt oder der
Sachverhalt aus der Erinnerung heraus nachgebildet wurde oder
dass die Abbildung durch die Vorstellung eines fiktiven
Objekts oder Sachverhalts inspiriert wurde. D.h. die
Vorstellung kann auf ein gegebenes, erinnertes oder fiktives
Objekt referieren. Letzteres erlaubt die Schaffung eines
symbolischen Bildes, dessen Objekt eine Repräsentation mit
Nulldenotation ist (GOODMAN 1994, 31 ff), das aber dennoch
realistisch anmuten kann, wüsste man nicht, dass Einhörner
oder Pickwicke tatsächlich
nie
existierten. Ohne dieses Wissen um den Gehalt der Denotation
jedoch obliegt man leicht der Illusion, die realistisch
anmutenden Bilder dokumentierten tatsächlich ein existentes
Objekt oder einen bestehenden Sachverhalt. [...](2)
[..]Wahr
oder falsch? Das ist hier die Frage
Bleibt die Frage, ob das Dargestellte, das Abgebildete richtig
oder falsch dargestellt wird. Wittgenstein sagt zunächst ganz
allgemein: "Das Bild stimmt mit der Wirklichkeit überein
oder nicht; es ist richtig oder unrichtig, wahr oder
falsch." Und weiter: "Was das Bild darstellt, ist
sein Sinn."
Und je nachdem, ob dieser Sinn mit dem Original übereinstimmt
oder nicht, ist das Bild wahr oder falsch. Das heißt: Wenn
wir wissen wollen, ob ein Bild wahr oder falsch ist, dann müssen
wir es mit dem Original vergleichen. Das heißt aber auch,
dass wir aus dem Bild allein nicht erkennen können, ob es
wahr oder falsch ist.
Also: "Ein a priori wahres Bild gibt es nicht." [...]
(3)
Zitate:
(1)+(2) Die Ambivalenz der Bilder, philart.de
(3) Die Bildtheorie Wittgensteins, medienmacherei.de
Einige
Beiträge
zum Thema:
Vilém
Flusser: Das Bild
Die Bildtheorie Wittgensteins
Die
Amivalenz der Bilder
Theorie und Empirie: "Visuelle Politik"
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